Wenn es dunkel wird, beginnt ihr Tag
- Maya Sporn
- vor 2 Tagen
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Wenn am Abend langsam Ruhe einkehrt, die letzten Vögel verstummen und über den Hügeln des Appenzellerlands die Dämmerung liegt, beginnt für viele Tiere erst der eigentliche Tag.
Über Wiesen, Gärten, Waldränder und Gewässer gehen Fledermäuse auf die Jagd. Wir sehen von ihnen oft nur einen kurzen Schatten, der durch die Dunkelheit huscht. Dabei sind sie faszinierende und wichtige Bewohner unserer Landschaft.

Mit den Ohren sehen
Fledermäuse orientieren sich mit Ultraschall. Sie senden für uns nicht hörbare Rufe aus und nehmen deren Echo wahr. So können sie selbst kleinste Hindernisse und Beutetiere erkennen und gezielt Insekten jagen.
In der Schweiz leben rund 30 Fledermausarten – von der winzigen Zwergfledermaus bis zum deutlich grösseren Grossen Abendsegler. Die häufigsten Nachweise in der Region St. Gallen, Appenzell betreffen die Zwergfledermaus, das Grosse Mausohr und das Braune Langohr. Die Zwergfledermaus wiegt nur so viel wie ein Stückchen Schokolade und passt theoretisch in eine Streichholzschachtel. Die meisten Fledermauskolonien befinden sich in privaten Gebäuden: in Dachstöcken, hinter Fassaden oder in anderen Gebäudeteilen. Kolonien in Baumhöhlen oder Felsspalten können nur mit grossem Aufwand ausfindig gemacht werden. Deshalb sind davon nur sehr wenige bekannt und auch die Kenntnis über die Verbreitung vieler Fledermausarten daher nur sehr lückenhaft.
Im Kanton Appenzell Ausserrhoden sind Fledermäuse und ihre Quartiere geschützt. Bei Renovationen oder Umbauten sollte deshalb frühzeitig abgeklärt werden, ob Fledermäuse vorhanden sind.

Die Nacht braucht Dunkelheit
Für Fledermäuse ist aber nicht nur der Lebensraum wichtig, sondern auch die Dunkelheit. Künstliche Beleuchtung kann ihre Flugwege verändern oder Bereiche für bestimmte Arten unpassierbar machen.
Auch mit kleinen Veränderungen können wir deshalb etwas bewirken:
Licht reduzieren: Unnötige Aussenbeleuchtung ausschalten und Licht nur dort einsetzen, wo es wirklich gebraucht wird.
Alte Bäume erhalten: Baumhöhlen und Spalten sind wertvolle Quartiere.
Gebäude vorsichtig sanieren: Vor Renovationen an Dach oder Fassade abklären, ob Fledermäuse dort leben.
Naturnah gärtnern: Ein vielfältiger Garten bietet vielen Insekten Nahrung – und damit auch den Fledermäusen.
Quartiere schützen: Fledermäuse nicht stören und bekannte Quartiere nicht eigenmächtig verschliessen.

Eine lebendige Nacht
2026 widmet sich die Aktion „Lebendige Nacht“ im Appenzellerland genau dieser besonderen Welt. Sie lädt dazu ein, die nächtliche Natur bewusster wahrzunehmen und Tiere zu entdecken, die im Dunkeln aktiv werden.
Dafür braucht es manchmal gar nicht viel. An einem warmen Abend Ende August lohnt es sich, nach Sonnenuntergang noch ein wenig draussen zu bleiben. Am besten ohne helles Licht und mit etwas Geduld.
Vielleicht taucht plötzlich ein dunkler Schatten über dem Garten auf. Vielleicht sind es zwei, drei oder noch mehr. Und während wir den Tag beenden, beginnt für sie die eigentliche Arbeit.




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