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Wer bliebt, wer geht? Der Herbstzug im Appenzellerland.

Maya Sporn
vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Wenn Ende September der Herbst ins Appenzellerland einzieht, hat sich die Vogelwelt bereits verändert. Über den Dächern fehlen die Mauersegler, viele Schwalben haben ihre Nistplätze verlassen und in den Wäldern und auf den Wiesen sind andere Vögel unterwegs als noch vor wenigen Wochen.


Doch während die einen bereits tausende Kilometer hinter sich haben, sind andere gerade erst aufgebrochen. Und manche Vögel bleiben den ganzen Winter bei uns.


Mauersegler in der Luft
Mauersegler in der Luft

Der Mauersegler gehört zu den ersten, die uns verlassen. Bereits im August ziehen die meisten Mauersegler Richtung Süden. Auch Alpensegler machen sich im Spätsommer auf den Weg.


Bei Rauch- und Mehlschwalben dauert der Abschied etwas länger. Sie sammeln sich im Spätsommer und Frühherbst, bevor sie in ihre Wintergebiete ziehen. Wer Ende September aufmerksam über Wiesen und Felder schaut, kann sie mit etwas Glück noch beobachten.


Auch andere typische Sommervögel wie der Neuntöter oder der Pirol sind zu dieser Jahreszeit bereits auf dem Weg Richtung Süden. Für sie geht es unter anderem nach Afrika.


Dabei legen viele Zugvögel erstaunliche Distanzen zurück. Sie verlassen das Appenzellerland, weil sich ihre Nahrungsgrundlage im Herbst verändert. Für Insektenfresser wird es zunehmend schwieriger, genügend Nahrung zu finden.


Neuntöter
Neuntöter

Wer ist Ende September schon weg?

Mauersegler

Sind bereits im August Richtung Afrika aufgebrochen.


Alpensegler

Verlassen ihre Brutgebiete im Spätsommer und ziehen in wärmere Regionen.

Pirol & Neuntöter

Unsere Sommergäste sind Ende September bereits auf dem Weg in ihre Wintergebiete.

Rauch- und Mehlschwalben

Befinden sich jetzt mitten im Herbstzug oder sind teilweise bereits weitergezogen.

Aber nicht alle ziehen weg


Während sich über unseren Köpfen Zugvögel auf den Weg machen, bleiben viele bekannte Arten auch im Winter im Appenzellerland.


Amseln, Kohl- und Blaumeisen, Kleiber oder Buntspechte können auch während der kalten Jahreszeit beobachtet werden. Sie finden bei uns genügend Nahrung und sind an die winterlichen Bedingungen angepasst.


Rotkehlchen
Rotkehlchen

Doch auch hier gibt es keine ganz einfache Einteilung. Beim Rotkehlchen beispielsweise bleiben manche Vögel hier, während andere aus nördlicheren Gebieten zu uns ziehen.


Die Vogelwelt im Herbst wird also nicht einfach leerer. Sie wird neu gemischt.


Wer bleibt?

Amsel

Ist bei uns ganzjährig anzutreffen.

Kohl- und Blaumeise

Bleiben häufig auch im Winter hier.

Kleiber & Buntspecht

Sind ebenfalls ganzjährig zu beobachten.

Rotkehlchen

Manche bleiben, andere ziehen. Im Winter können zusätzlich Vögel aus nördlicheren Regionen bei uns auftauchen.


Und dann kommen neue Gäste


Mit dem Herbstzug verlassen nicht nur Vögel das Appenzellerland. Einige Arten kommen jetzt erst zu uns.


Der Bergfink beispielsweise brütet in den Wäldern Nord- und Osteuropas. Im Winterhalbjahr zieht er nach Süden und kann auch bei uns beobachtet werden. In manchen Jahren treten Bergfinken in grossen Schwärmen auf.


Auch Erlenzeisige können im Winterhalbjahr bei uns auftauchen. Sie suchen nach Sämereien und sind dort anzutreffen, wo sie genügend Nahrung finden.


Und manchmal erscheint ein besonders auffälliger Wintergast: der Seidenschwanz. Er kommt nicht jeden Winter in gleicher Zahl vor. Wenn im Norden die Nahrung knapp wird, können grössere Trupps bis in die Schweiz gelangen.


Welche Wintergäste wir im Appenzellerland sehen, ist deshalb jedes Jahr etwas anders.


Wer kommt im Winter zu uns?

Bergfink

Kommt aus nördlichen und östlichen Regionen und kann im Winter in grossen Schwärmen auftreten.

Erlenzeisig

Kann im Winterhalbjahr bei uns beobachtet werden und ernährt sich vor allem von Sämereien.

Seidenschwanz

Ein unregelmässiger Wintergast, der in manchen Jahren in grösseren Trupps erscheint.

Welche Arten zu uns kommen, hängt unter anderem von Wetter und Nahrungsangebot ab.


Ein Appenzellerland für viele Jahreszeiten


Für Zugvögel ist das Appenzellerland nicht nur während der Brutzeit wichtig. Auf ihrer Reise brauchen sie Orte, an denen sie rasten und Nahrung finden können.


Wiesen und Weiden, Hecken, Waldränder, Feuchtgebiete und Siedlungen bieten unterschiedliche Lebensräume. Was für einen Vogel ein Brutplatz ist, kann für einen anderen ein Rastplatz oder ein Winterquartier sein.


Auch für die Vögel, die bei uns bleiben oder aus dem Norden zu uns kommen, wird es jetzt wichtig, genügend Nahrung und Schutz zu finden.


Was können wir tun?


Wir können einiges dazu beitragen, dass das Appenzellerland auch im Herbst und Winter ein guter Lebensraum für Vögel bleibt.


Heimische Sträucher und Bäume bieten Beeren und Samen und damit wertvolle Nahrung. Hecken, alte Bäume und vielfältige Strukturen geben Vögeln Schutz und Rückzugsmöglichkeiten.


Auch Nistplätze an Gebäuden sind wichtig. Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalben sind auf geeignete Brutplätze angewiesen. Wer ein Nest am eigenen Haus entdeckt, sollte es erhalten. Bei Renovationen an Dach oder Fassade lohnt es sich, frühzeitig abzuklären, ob Vögel betroffen sind.


Eine weitere Gefahr findet sich mitten in unseren Siedlungen: Glasflächen können für Vögel zur tödlichen Falle werden. Grosse oder spiegelnde Fenster sollten deshalb für Vögel sichtbar gemacht werden.



So können wir Vögel unterstützen 

Nahrung erhalten

Heimische Sträucher und Bäume mit Beeren und Samen bieten wertvolle Nahrung.

Lebensräume bewahren

Hecken, alte Bäume, Waldränder und vielfältige Landschaften bieten Schutz und Nahrung.

Nistplätze schützen

Schwalben- und Seglernester an Gebäuden erhalten und bei Renovationen frühzeitig abklären.

Ein Abschied auf Zeit


Wenn Ende September die Mauersegler längst verschwunden sind und sich die Schwalben für ihren Aufbruch sammeln, beginnt eine spannende Zeit für die Vogelbeobachtung.


Wer bleibt, wer geht und wer kommt – der Herbst zeigt uns, dass Artenvielfalt nicht statisch ist. Sie verändert sich mit den Jahreszeiten.



 


 

 
 
 

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