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Wenn der Tümpel zum Ballsaal wird – Amphibienzeit im Appenzellerland

  • Maya Sporn
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Mit den milderen Temperaturen und feuchteren Nächten beginnt im Appenzellerland ein stilles, aber eindrucksvolles Naturschauspiel: Die Amphibien machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Was tagsüber oft unbemerkt bleibt, entfaltet sich vor allem in den Abendstunden – dann, wenn die Luft nach feuchter Erde riecht und der Frühling spürbar wird. Besonders auffällig – zumindest für jene, die genau hinschauen – ist jetzt der Bergmolch.


Den Winter verbringt der Bergmolch gut verborgen an Land. Unter Steinen, in morschem Holz, zwischen Laub oder in geschützten Mauerspalten trotzt er der Kälte. In dieser Zeit lebt er zurückgezogen und nahezu unsichtbar. Doch sobald die Temperaturen steigen und der Boden durch Regen oder Tau feucht wird, erwacht sein innerer Kalender. Instinktiv zieht es ihn zurück ins Wasser. Kleine Weiher, Waldtümpel oder auch Brunnen und Viehtränken verwandeln sich im Frühling in zentrale Treffpunkte.


Ein Bergmolch auf Wanderschaft
Ein Bergmolch auf Wanderschaft

Dort zeigt sich das Männchen von seiner schönsten Seite. Sein Bauch leuchtet intensiv orange, die Flanken schimmern bläulich, und ein gewellter Rückenkamm verleiht ihm eine fast exotische Erscheinung. Dieses auffällige „Hochzeitskleid“ ist kein Zufall: Es ist Teil eines ausgeklügelten Balzverhaltens. Mit fächernden Schwanzbewegungen wirbelt das Männchen Duftstoffe im Wasser auf und lenkt sie gezielt zum Weibchen. Die Bewegungen wirken fast tänzerisch – ein lautloses Werben, das ganz ohne direkten Körperkontakt auskommt und dennoch hochwirksam ist. Wer das Glück hat, dieses Schauspiel zu beobachten, erkennt schnell, wie viel Leben sich in einem scheinbar stillen Tümpel verbirgt.


Nach erfolgreicher Paarung beginnt für das Weibchen die eigentliche Arbeit – eine Aufgabe, die Geduld und Präzision verlangt. Es legt seine Eier nicht einfach ab, sondern platziert sie einzeln an Wasserpflanzen. Jedes Ei wird sorgfältig in ein Pflanzenblatt eingefaltet und mit einem klebrigen Sekret fixiert. Dieser kunstvolle Schutzmechanismus sorgt dafür, dass die empfindlichen Eier besser vor Fressfeinden und Umwelteinflüssen geschützt sind. Es ist eine stille, aber beeindruckende Form der Fürsorge.


Bergmolch auf Holz
Bergmolch auf Holz

Aus den Eiern schlüpfen später Larven mit auffälligen äusseren Kiemen, die wie feine Büschel am Kopf sitzen. Wochenlang leben sie vollständig im Wasser, jagen winzige Wasserorganismen und wachsen stetig heran. Erst im Laufe des Sommers verwandeln sie sich zu kleinen Molchen, verlieren ihre Kiemen und wagen den Schritt an Land.


So unscheinbar die Gewässer im Frühling wirken mögen – sie sind Kinderstube, Rückzugsort und Lebensraum zugleich. Gerade kleine, naturnahe Tümpel, die nicht künstlich begradigt oder intensiv genutzt werden, sind für Arten wie den Bergmolch überlebenswichtig. Doch solche Lebensräume sind selten geworden. Umso wichtiger ist jeder erhaltene oder neu geschaffene Weiher. Selbst kleine Wasserstellen können zu wertvollen Rückzugsorten werden und helfen, die Vielfalt der heimischen Tierwelt zu bewahren.


Wer im Frühling aufmerksam durch die Landschaft geht, entdeckt vielleicht das eine oder andere dieser verborgenen Biotope – und mit etwas Glück einen Bergmolch in seinem farbenprächtigen Hochzeitskleid. Dann wird aus einem unscheinbaren Tümpel für kurze Zeit ein Ballsaal der Natur – still, verborgen und doch voller Leben.


 

 
 
 

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